Funktionaler Analphabetismus

Funktionaler Analphabetismus

 

Funktionaler Analphabetismus ist ein Fachbegriff. Was bedeutet er? Das Wort „funktional“ bedeutet: Etwas entspricht (nicht) den Anforderungen, die gestellt werden. Und Analphabet ist jemand, der nicht lesen kann. Es geht also um das Verhältnis von Fähigkeiten und Anforderungen.

 

Ein funktionaler Analphabet liest nicht gut genug, um die Anforderungen eines Lebens in Deutschland zu erfüllen.

 

Konkret: Nur sehr wenige Menschen in Deutschland kennen die Buchstaben nicht. Auch einzelne einzelne Wörter können die allermeisten lesen. Schon bei einfachen Sätzen wird es schwieriger: 2,3 Millionen Menschen in Deutschland können das nicht. Doppelt so viele Menschen (5,2 Millionen) scheitern daran, kurze und einfache Texte zu lesen. Und das ist eine Fähigkeit, die man in Deutschland braucht. In fast jedem Beruf und ständig im Alltag.

 

Insgesamt gibt es also 7,5 Millionen Menschen in Deutschland, die nicht gut genug lesen und schreiben können, um ihren Alltag eigenständig zu gestalten.

 

Diese Menschen nennt man „funktionale Analphabeten“. Sie brauchen Hilfe. Sie vermeiden Situationen, in denen sie lesen müssen. Sie müssen sich vieles merken, statt es zu notieren. Und sie leben ständig in der Angst, entdeckt zu werden. Denn nicht lesen zu können, ist vielen peinlich. Deshalb erfinden sie ständig Ausreden: „Ich fülle das Formular zuhause aus“, „Ich habe meine Brille vergessen“ oder ähnliches.