Interview Fatma Aydemir

Interview Fatma Aydemir

Fatma Aydemir im Gespräch

Haben Sie Ellbogen in Einfacher Sprache gelesen?

Ja. Ich finde es eine tolle Idee, Bücher in Einfacher Sprache herauszugeben. Dass es so etwas gibt, habe ich durch ein Projekt in der taz erfahren. Vor ein paar Jahren gab es dort als Projekt Artikel in Einfacher Sprache. Dann kam die Anfrage von Ihnen, Ellbogen zu übersetzen. Ich hoffe, dass Ihre Leser*innen etwas aus dem Buch mitnehmen können und dass sie Spaß haben an der Geschichte.

Wie kam es zu dem Buch?

Ich hatte immer schon Lust, einen Roman zu schreiben. Nach 2 Jahren als Redakteurin habe ich gemerkt, dass die Zeit dafür gekommen war. Der Kern der Geschichte, also dass es um eine junge Frau geht, die einen Gewaltausbruch erlebt, war von Anfang an klar. Das Vorher und Nachher musste ich noch beim Schreiben entwickeln, damit die Geschichte stimmig wird. Ich habe etwa 2 Jahre an dem Buch gearbeitet.

 

Fatma_Aydemir_Foto_Valerie_Siba-RousparastFatma Aydemir ist in der Nähe von Karlsruhe aufgewachsen. Nach dem Abitur hat sie in Frankfurt Germanistik studiert und danach ein Praktikum bei der Zeitung taz absolviert. Seitdem arbeitet sie dort als Journalistin. 2017 brachte sie ihr erstes Buch „Ellbogen“ heraus. Ihr zweites Buch erscheint in Kürze.

 

 

 

Wenn man so lange an einem Projekt arbeitet, gibt es da auch Durchhänger?

Ja klar. Die Geschichte muss einem auf den Lippen brennen, damit man sie jahrelang verfolgen kann. Man muss sie wichtig genug finden, sonst ist die Idee zum Scheitern verurteilt. 

Es ist Ihnen gelungen, Andere damit zu erreichen. In einer Buchbesprechung forderte der Rezensent, den „verstaubten Fänger im Roggen aus den Klassenzimmern zu verbannen“ und stattdessen Ellbogen als Klassenlektüre zu einzuführen.

Früher in der Schule hat mich Literatur nicht interessiert. Mit den Büchern, die wir gelesen haben, konnte ich privat nichts anfangen. Schön zu hören, dass mein Buch in der Schule gelesen wird und dass es ankommt. Auf Lesungen haben mir einige Schüler*innen gesagt, dass Ellbogen das erste Buch war, das sie zu Ende gelesen haben. 

Was fasziniert junge Leser an dem Buch?

Ich habe Ellbogen nicht explizit für Jugendliche geschrieben, aber die Jugendlichen können sich bis zu einem gewissen Punkt gut mit Hazal identifizieren: „Die ist irgendwie wie ich.“ Gleichzeitig gibt es natürlich auch Reibung mit der Figur, denn sie macht ja auch vieles falsch. „Sie spricht wie ich, sie hat ähnliche Probleme wie ich. Aber sie trifft andere Entscheidungen.“ So wird man beim Lesen auch mit moralischen Fragen konfrontiert.

Was ist echt an der Geschichte, was erfunden?

Die Geschichte habe ich mir natürlich ausgedacht. Die Lebensrealität der jungen Mädchen habe ich aber aus Beobachtungen entwickelt; teilweise habe ich auch selbst solche Erfahrungen gemacht. 

Mir war wichtig, die Zerrissenheit der Mädchen zu erzählen. Dass sie nirgends dazugehören können. Dabei ist es wichtig für junge Menschen, Halt zu bekommen und gleichzeitig den eigenen Weg zu gehen. Hazal geht im Roman nach Istanbul, um diesen Halt zu bekommen, aber die innere Zerrissenheit bleibt trotzdem.