Interview Ursula Poznanski

Interview Ursula Poznanski

2019 sprachen wir mit der Autorin Ursula Poznanski über ihre Erfolge und über den Plan, Erebos in Einfacher Sprache herauszugeben. Vor der Herausgabe des Buches stellten Ursula Poznanski und Ralf Beekveldt auf der Leipziger Buchmesse das gemeinsame Projekt vor.

Frau Poznanski, Sie haben 2010 Erebos mit 488 Seiten geschrieben, 2011 Saeculum – 496 Seiten, 2012 drei Bücher mit zusammen 384 Seiten. Wie machen Sie das?
Ursula Poznanski: Ich glaube, das ist relativ normal für Autoren. Ich schreibe im Schnitt zwei Bücher im Jahr, aber das ist auch mein Beruf. Wenn man das herunterbricht auf tägliche Workloads, dann ist das gar nicht so dramatisch.

Haben Sie denn noch Zeit für Anderes?
Ursula Poznanski: Ja, keine Sorge. Es ist schon so, dass ich die meisten Tage im Jahr schreibe, ob Urlaub oder nicht, aber das ist machbar.

Woran arbeiten Sie gerade? 
Ursula Poznanski: Am nächsten Buch, aber darüber kann ich noch nichts verraten.
[Anmerkung: Später auf der Buchmesse gab Ursula Poznanski die Fortsetzung von Erebos bekannt.]

Erebos-lowres

Sie haben viele Preise bekommen: Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien, Deutscher Jugendliteraturpreis, mehrmals Österreichischer Kinder- und 

Jugendbuchpreis Hansjörg-Martin-Preis – Kinder- und Jugendkrimipreis.
Dem füge ich 
noch einen persönlichen Preis für Beliebtheit hinzu: Im Sommer war ich mit Freunden in Urlaub, insgesamt 14 Leute, Kinder und Erwachsene. Drei davon lasen gerade Poznanski, fünf kannten sie schon.

Ursula Poznanski: Oh, das finde ich schön. Guter Durchschnitt.

Wie wird man so beliebt?
Ursula Poznanski: Das ist schwer zu definieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich in jedem Buch über Dinge schreibe, die mich selber interessieren, und das wird irgendwie transportiert. Ich habe in dem Sinne kein Rezept. Ich glaube, das Vielversprechendste ist so zu schreiben, wie man selber gerne lesen möchte. 

Feilen Sie lange an Ihren Texten?
Ursula Poznanski: Beim Überarbeiten streiche ich auch. Nicht seitenweise, aber einzelne Wörter, Halbsätze, alles, was eher Ballast als Schmuck ist, wird weggeworfen. 

Was macht der Spaß am Lesen Verlag?
Ralf Beekveldt: Der Verlag macht seit 10 Jahren Bücher für Leute mit Leseschwierigkeiten. Das sind alle zusammen nur in Deutschland 20 Millionen Leute und davon sind 6,2 Millionen Menschen mit sehr geringen Lesekompetenzen. Für diese Leute, die eine Leseschwelle haben, und die sonst überhaupt keine Bücher lesen, für diese Leute machen wir Bücher. Einfache Bücher, Vereinfachung von bekannten Büchern, deutsche Romane, eines davon ist hoffentlich bald Erebos. Es sind zurzeit etwa 100 Bücher herausgekommen. Wir haben auch Zeitschriften, bislang 300 Ausgaben.

Können Sie etwas zu den Zielgruppen sagen?
Ralf Beekveldt: Es sind viele Gruppen. Wir sprechen über Migranten und Flüchtlinge, Menschen ohne Schulabschluss, Menschen mit Lese- Rechtschreibschwäche, alte Leute, es sind viele verschiedene Zielgruppen. Dafür kann man nicht nur ein Konzept machen. Deshalb haben wir eine Vielfalt von Serien. 

Ursula Poznanski: Ich finde es toll auch für Sprachschüler. Vereinfachung von englischen Klassikern haben wir in der Schule gelesen. Das war damals perfekt vom Sprachniveau her. Ich kann mir gut vorstellen, dass es zum Beispiel auch da eingesetzt werden kann.

6,2 Millionen Erwachsene, warum sind so viele Menschen in Deutschland gering literalisiert?
Ralf Beekveldt: Das ist überall in Europa, nicht nur in Deutschland. Unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft erfordern immer mehr Lesefähigkeiten. Man muss zunehmend lesen und schreiben auf einem hohen Niveau können, um überhaupt mitzuhalten. So entsteht eine immer größere Lücke zwischen Leuten, die das können und denen, die das nicht können. Ich sage: In Zukunft wird der Unterschied zwischen Menschen nicht im Haben oder Nicht-Haben bestehen, sondern im Lesen oder Nichtlesen. 

Erebos ist das Projekt, das uns hier zusammenführt. Frau Poznanski, sind Sie vorher schon mal mit Einfacher Sprache in Berührung gekommen?
Ursula Poznanski: Bisher noch nicht. 

Worum geht es in wenigen Worten in dem Buch?
Ursula Poznanski: In Erebos geht es um ein Computerspiel, das sich in das Leben der Spieler einmischt. Man muss Aufgaben in der Realität erledigen, um im Spiel weitermachen zu können. Das ganze läuft am Ende auf ein bestimmtes Ziel hinaus. 

Wie finden Sie die Idee, das Buch zu vereinfachen?
Ursula Poznanski: Finde ich gut. Ich gehe mal davon aus, dass der Kern erhalten bleibt und dass die Geschichte verständlich sein wird, das finde ich eine gute Idee. 

Sie haben einen Entwurf einer Szene aus Erebos in Einfacher Sprache gelesen, wie wirkt das auf Sie?
Ursula Poznanski: Kurz und knackig. Im Prinzip ist alles drin, was wichtig ist. Es geht ja um Verständlichkeit, da bin ich überzeugt, dass die Geschichte gut transportier wid. Vom Stil ist es aber ganz anders. 

Ralf Beekveldt: Es ist komprimiert. Von 3D auf 2D.

Wie sind die Kriterien für eine Vereinfachung?
Ralf Beekveldt: Wir haben ein Regelwerk von 50 Regeln. Wenn man aber nur diese Regeln befolgt, kommt man nicht sehr weit. Was die Übersetzerinnen brauchen, ist ein Fingerspitzengefühl für die Geschichte. Das ist wichtiger, als nur die Sätze zu verkürzen. Sonst wird es zu platt. Wir haben oft Anfragen von Leuten, die es probieren wollen. Von 10 Anfragen ist eine Person dabei, die es schaffen kann. 

Ursula Poznanski: Ich stelle es mir auch unfassbar schwierig vor, die Texte herunterzubrechen, auf das, was noch verständlich ist, …

Ralf Beekveldt: …, ja, und dann auch noch den Autor zufriedenzustellen!