Ein außergewöhnlicher Mensch begeistert für das Lesen

Ein außergewöhnlicher Mensch begeistert für das Lesen
 

Danny Beuerbach hört gerne zu – besonders dann, wenn andere ihm vorlesen: kleine oder große Erzählungen, inmitten des Alltags, inmitten der Arbeit. Wenn man ihn selbst zu Wort kommen lässt, sprudeln Geschichten aus ihm heraus, die das Leben schreibt. Sie erzählen von Augen voller Stolz, Freude und Dankbarkeit und von gegenseitiger Wertschätzung. Vor allem gewinnt man den Eindruck von einem außergewöhnlichen Menschen: jemandem, der seine Berufung gefunden hat und andere Menschen dafür begeistert.

Danny Beuerbach ist Deutschlands Vorlesefriseur. Ein magischer Begriff für eine ungewöhnliche Idee, für die Danny Beuerbach 2021 sogar mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet wurde. Seinen Anfang nahm alles vor fünf Jahren. Damals bat der Profi mit der Schere seine Stammkunden ihm vorzulesen, während er ihre Frisuren in Form brachte. Die Verwunderung hätte nicht größer sein können. Aber nach anfänglicher Skepsis kam eine Lawine ins Rollen. Seither wird geschnitten und gelesen – von Erwachsenen und vor allem von Kindern, in Bibliotheken und Buchläden, im Friseursalon und unter freiem Himmel, im Alltag und bei Festivals. Book a Look – das sind Lesen, ein neuer Haarschnitt und ein Preisnachlass in einem.

Und dann entstehen magischen Momente, von denen Beuerbach selbst sagt, dass es nichts Schöneres gebe: Wenn er unterwegs seinen roten Teppich aufschlägt, den gelben Hocker und die Palme platziert und seine Schere zückt, verwandelt er einen Menschen nicht nur äußerlich. Indem er diesem Buch und Bühne zum Vorlesen bietet, schafft er einen Moment, bei dem alle gewinnen: er selbst, das Publikum und vor allem die Vorleserin oder der Vorleser. Insbesondere mit Blick auf die Kinder sagt Beuerbach: „Ich will kein Lehrer oder Trainer sein. Mir ist es viel wichtiger, zu sehen, wie die Kinder Mut fassen. Mir geht es um das Selbstwertgefühl.“

Es ist Leseförderung im besten Sinne, ein geniales Konzept, von dem Beuerbach meint, dass es „kein Geniestreich“ war. Aber auch das passt zu seiner Bescheidenheit. Während er als Angestellter in einem Münchener Salon wohl situierten Kunden die Haare stylt und gerne für große Events gebucht wird, ist es ihm ein besonderes Herzensanliegen dorthin zurückzukehren, wo alles angefangen hat, nämlich in die Brennpunkte. „Ich bin ein Typ, der auch in die rauen Viertel geht“, sagt Beuerbach. Und so schneidet er Obdachlosen ehrenamtlich die Haare.

Gefragt nach Einfacher Sprache antwortet er: „Ich finde diese sehr wichtig, und ich finde es gut, dass es Bücher in Einfacher Sprache gibt. Man bleibt im Flow. Jeder Satz ist wie eine Belohnung.“ Und dann erzählt Beuerbach von seiner Kindheit: „Wir waren vier Kinder zu Hause. Uns wurde nicht vorgelesen. Ich weiß, wie das ist, wenn man schlecht liest. Ich bin selbst mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche aufgewachsen.“ Und er berichtet von seiner ältesten Schwester, die schon damals eine Leseratte war. Jeder Mensch braucht Vorbilder und jemanden, der an einen glaubt. Heute ist Danny Beuerbach solch ein Vorbild: ein Mensch, der andere für das Lesen begeistert und der vom „Schlechtleser“ sogar zum Buchschreiber wurde. „Der magische Frisör“ ist der Titel seines Buches für Erstleser. Und so viel darf verraten werden: ein weiteres Werk zusammen mit Ritter Rost-Autor, Jörg Hilbert, entsteht gerade. Und wenn wir schon bei der Zukunft sind: Welchen Wunsch hat der Vorlesefriseur?

„Ich wünsche mir, dass Menschen ihrem Friseur von Book a Look erzählen, denn gerne würde ich weitere Mitstreiter gewinnen. … Und ich wünsche mir, dass der Zugang zu Büchern weiter vereinfacht wird.“

 

Weitere Informationen zu Danny Beuerbach:

https://dannybeuerbach.de