Lesen - und auch schreiben

Es gibt viele gesellschaftliche Themen, die im vergangenen (Corona-) Jahr übersehen wurden, aber erfreulicherweise war das beständig sinkende Leseniveau unserer Jugendlichen nicht darunter. Dieses Thema bleibt glücklicherweise regelmäßig präsent in den Medien – auch dank der Ergebnisse der PISA-Studien, die unser Bewusstsein für das Thema weiter schärfen.

Wie anders ist es dagegen beim Schreiben, dem Gegenstück zum Lesen. Wenn wir über Lesen und Schreiben sprechen, konzentrieren wir uns fast ausschließlich auf Ersteres. Seltsam eigentlich, denn das Schreiben ist von ebenso großer Bedeutung.

Lesen und Schreiben sind ein untrennbares Doppel und gehen Hand in Hand. Wenn eins langsamer vorangeht, wird auch das andere langsamer. Bleibt eine Kompetenz auf der Strecke, wird sich das früher oder später auch bei der jeweils anderen bemerkbar machen. Das Beantworten einer E-Mail setzt die Lesefähigkeit voraus, daran führt kein Weg vorbei. Lesen und Schreiben beeinflussen sich gegenseitig. Das sprachgeprägte Leben, das wir führen, verlangt nach einer – gleichzeitigen – guten Entwicklung von beiden Kompetenzen.

Die Bedeutung von gutem Schreiben ist in unserer heutigen Gesellschaft und für die Wirtschaft unverzichtbar. Menschen, die in der Lage sind, ihre Gedanken zu ordnen, können sich besser ausdrücken und lernen so, bessere Entscheidungen zu treffen. Wer schreibt, denkt. Und das allein ist ein wichtiger Grund, dem Schreiben einen festen Platz im Bildungswesen einzuräumen.

Doch viele Wünsche bleiben hier offen. Wir sehen z.B., dass der Leseerziehung in der Grundschule noch relativ viel Bedeutung beigemessen wird (später relativiert sich dies etwas), aber dem Schreiben wird schon weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Und die durchschnittlichen Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück. Es ist schwer zu sagen, woher das kommt. Ist die Rechtschreiben als Thema veraltet? Wird zu wenig in darin investiert? Sind es zu viele andere Themen, die die Schulen im Lehrplan berücksichtigen müssen, und gerät die Rechtschreibung so automatisch ins Hintertreffen? Klar ist, dass unser Bildungssystem mit seinen Prioritäten zu kämpfen hat. Und wenn Sie mich fragen, denke ich: Es sind wohl zu viele ... Der Erwerb – und die richtige Beherrschung – von Grundfertigkeiten wie Lesen und Schreiben leidet. 

Und vielleicht sind wir nicht ehrgeizig genug. Zu oft wird das Mindestniveau als Maßstab zu Grunde gelegt. Und wir müssen etwas dagegen tun!