Ein Jahr weiter

Und schwupp, schon sind wir ein Jahr weiter. Ein Jahr, in dem der Buchhandel geschlossen war, genauso wie die Bibliotheken, und zeitweise auch die Schulen. Ein Jahr, in dem wir vom Spaß am Lesen Verlag uns doch so ab und an Sorgen um unseren Verlag gemacht haben, vor allem Sorgen über einen größeren Umsatzrückgang. Ein Jahr, in dem wir trotzdem weiter Bücher herausgebracht und einfach weitergemacht haben, als wäre alles normal gewesen. Klischees erleichtern manchmal das Leben: Wie geht man mit einer Krise um? Tja, Rücken gerade, Blick nach vorn, weitermachen.

Corona-lesenHeute, nach einem Jahr, können wir Bilanz ziehen. Der erwartete Umsatzeinbruch ist ausgeblieben. Das Zuhausebleiben hat viele Menschen, auch aus unserer Zielgruppe, zum Lesen gebracht. Die Isolation wirkte wie eine Einladung dazu, sich ein Buch zu schnappen – ein unerwarteter Nebeneffekt. Oder wie der über die niederländischen Landesgrenzen hinaus bekannte Fußballer Johan Cruyff einst sagte: „Jeder Nachteil hat einen Vorteil.“

Natürlich haben wir es noch nicht geschafft. Glaubten wir erst noch, dass der Spuk nach einer zweiten Welle aufhören würde, so wird inzwischen bereits von einer vierten gesprochen. Schwierig, dieser ständige Neuanfang. Mit unserer Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage wird Katz und Maus gespielt ...

An Vieles haben wir uns gewöhnt, etwa Online-Meetings, wo wir beim Kennenlernen nur noch die obere Hälfte des Gegenübers zu Gesicht bekommen. Doch an Anderes können wir uns nicht gewöhnen: Die Isolation oder die Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Fällt es Ihnen auch auf? Mit Beginn des Frühlings schwächelt die Disziplin. Für mich zumindest gilt: Die Einhaltung der Regeln kostet immer mehr Kraft. Und auch die Nachrichten verfolge ich nicht mehr immer – diesen eintönigen Strom von Statistiken, Inzidenzen und Fällen lasse ich vorbeifließen oder schalte um. Die Begriffe „Frühling“ und „Grippe“ lassen sich in meiner Welt nicht kombinieren. Man will, dass das alles aufhört – aber das tut es einfach nicht.

Doch das unstete Jahr hielt uns im Verlag nicht davon ab, weiterzuarbeiten. Wir haben wieder für ein prall gefülltes Buchprogramm gesorgt, über das ich Ihnen gerne berichten möchte.

Ein wirklich besonderes Buch ist AchtNacht von Sebastian Fitzek. Fitzek ist eine Persönlichkeit voller Elan; er sprudelt nur so vor Ideen und kennt sich besonders gut mit dem Thema Analphabetismus aus. Vor Kurzem gab er uns ein Interview. Hier finden Sie unser Gespräch mit ihm.

Dazu kommen einige schöne Titel aus der Klassiker-Ecke: Andersens Märchen, die Märchen der Gebrüder Grimm, Geschichten des Baron von Münchhausen, und in Kürze erscheint, ebenfalls ein Klassiker, das Buch Heimatlos. Und weil wir uns bei der Auswahl der Klassiker gerne davon leiten lassen, was hip ist: Ein berühmter Krimi mit Arsène Lupin – heute bei Netflix, demnächst bei uns ein Buch in Einfacher Sprache.

Soweit der Blick in unser Angebot. Genug Lesestoff für diese außergewöhnliche Zeit. Auch bei uns hat die Stille zu größeren Anstrengungen geführt – wir sind, wie es auf Französisch heißt, ein paar Schritte rückwärts gegangen, um höher springen zu können.

Jeder Nachteil hat einen Vorteil. Dennoch, etwas mehr von der alten Normalität hätte ich schon gerne wieder.