Dabei sein!

Dabei sein!

Was könnte schöner sein, als wenn man im eigenen Umfeld hört, dass man als Verlag gute Arbeit macht? Letzte Woche hörte unser Marketingmanager von einem seiner Freunde, dass dessen Sohn ein Buch von uns gelesen hatte. Eigentlich war dieses Buch, das erste, das er überhaupt jemals gelesen hatte. Er ist also kein regelmäßiger Leser, wie viele aus der jüngeren Generation, die in der heutigen Bildschirmkultur aufgewachsen sind. Auf die Anregung seiner Eltern hin hatte er ein Buch von uns ausgesucht und es dann in einem Atemzug durchgelesen. Das war offenbar der kleine Schubser, den er gebraucht hatte. Ein Schubser, der sich sogleich bezahlt machte, als es kürzlich auf einer Familienfeier um Literatur ging und das Gespräch zufällig auf eben genau jenen Autor fiel, und der Sohn – der notorische Nicht-Leser – plötzlich begeistert ausrief: „Das Buch habe ich auch gelesen!“

Eine schöne Geschichte. Unser Marketingmanager erzählte sie voller Stolz, denn funktionaler Analphabetismus und Leseunlust, zwei berufliche Themen, waren plötzlich ganz nahe gekommen, greifbar geworden und in sein Privatleben eingedrungen. Plötzlich hatte er  - fast schon am eigenen Leib – erlebt, dass unsere Bücher nicht nur die Kluft zwischen Lesen und Nicht-Lesen überbrücken, sondern auch zwischen dabei sein und nicht dabei sein.

Dieses Beispiel beantwortet direkt die Frage, warum wir Übertragungen in Einfache Sprache so wichtig finden. Vereinfachungen sorgen dafür, dass Menschen mitreden können, dass sie nicht benachteiligt sind, wenn es um kulturelle Dinge geht. Wenn man es schick ausdrücken will: Vereinfachungen sind die Personifizierung literarischer Integration und kultureller Demokratie. Oder einfach gesagt: Alle sollen Kunst und Kultur genießen können.

Darum ist es so wichtig, dass wir immer wieder neue Vereinfachungen veröffentlichen. Am besten natürlich Vereinfachungen von bekannten Titels aus der deutschen Literatur. Alte, aber auch neue. Dafür brauchen wir die Unterstützung von Herausgebern und Autoren. Sie müssen uns immerhin die Erlaubnis erteilen, damit wir einen Titel vereinfachen können.

Zum Glück erhalten wir diese Erlaubnis fast immer. Fast alle Herausgeber unterschreiben den Nutzen und die Notwendigkeit unserer Arbeit und unterstützen uns mit neuen Titeln. Und auch viele Autoren sind sehr bereitwillig, und lassen uns ihre Werke umschreiben.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Titel, der diese Woche erschienen ist: Die Therapie von Sebastian Fitzek. Er ist der bekannteste Thriller-Autor Deutschlands. Der sehr produktive Autor (und frühere Journalist) Fitzek, der manchmal sogar mehrere Bücher im Jahr veröffentlicht, sagte sofort JA, als wir ihn um die Erlaubnis fragten, eines seiner Bücher zu vereinfachen.

Die Therapie ist sein Debüt. Als das Buch 2006 erschien, stieß es direkt den Da Vinci Code von Platz 1 der Bestsellerlisten. Und dieses Megadebüt ist nun in Einfacher Sprache erschienen! Wir müssen wohl nicht extra erwähnen, dass wir sehr stolz darauf sind. Stolz, dass wir dieses Buch von diesem literarischen Riesen in einer einfachen Version herausbringen dürfen. Stolz, dass er ohne Bedenken seine Zustimmung gegeben hat. Und stolz, dass wir damit als Herausgeber einen Meilenstein erreicht haben!