Zum Jubiläum

Zum Jubiläum

Diesen Monat ist es soweit: Unser Verlag feiert seinen 10. Geburtstag

Puh … 10 Jahre Spaß am Lesen Verlag … Es klingt klischeehaft, aber es war wirklich ein langer Weg. Ein Weg mit Höhepunkten, aber mit ebenso vielen Tälern.
 
Spass_am_Lesen_Verlag_-_10_Jaar_def_digitaalGlauben Sie mir: Wenn man zurückblickt auf eine lange Periode, dann erscheint sie einem wie ein Fluss, wie eine nahtlose Reihe von Ereignissen. In Wirklichkeit aber verläuft der Start eines Unternehmens niemals geradlinig, ja, er folgt nicht einmal annähernd einer Form, die man als Linie bezeichnen könnte. Der Start ist eher wie ein Eintreten in ein stockdunkles Zimmer, in dem man die Hand vor Augen nicht sehen kann. Und man hofft, dass es eine Tür hinaus gibt, dabei weiß man aber eigentlich gar nicht genau, ob es sie gibt. Man muss also alle Wände des Zimmers abtasten, wieder und wieder, um eine Türklinke zu finden. Eine Türklinke, von der man hofft, dass sie da irgendwo ist …

So begeistert wir 2009 auch gestartet sind – danach wurde es erst einmal ruhig. Der Spaß am Lesen Verlag – das waren damals zwei Mitarbeiter und ich. Alle Welt hatte mich zuvor ermutigt und gesagt, dass der Bedarf an einfachen Büchern in Deutschland groß sei. Das war vielleicht so, doch wir merkten nichts davon.

Wir starteten, wie viele andere kleine Unternehmen, mit einem kleinen Budget. Und einem kleinen Büro: einem zugigen Kämmerchen im alten Bundesbahngebäude im Münsteraner Hafen.

Und dann: Stille. Fast vier Jahre lang geschah nichts. Alle erklärten mich für verrückt. Hör auf, lass den Unsinn – das hörte ich und das dachte ich mir manchmal auch. Und vielleicht hätte ich das auch getan, wären nicht binnen kurzer Zeit zwei Dinge geschehen, die für uns den Wendepunkt brachten.
Ziemlich_beste_Freunde_lowres2011 erschien die erste LEO-Studie. Plötzlich bekamen Analphabetismus und Leseschwierigkeiten einen Platz auf der Agenda dieses Landes. Und ja, da bewegte sich etwas.
Dann, 2013, brachten wir gemeinsam mit Aktion Mensch Ziemlich beste Freunde heraus, mit einer tollen Präsentation in der Oper am Dom in Köln. Und Bingo – plötzlich kannten alle unseren Namen!

Ab diesem Moment lag unser Weg plötzlich erkennbar vor uns. Es lag noch ein leichter Nebel in der Luft, doch der Weg war erkennbar. Plötzlich verkauften wir Bücher. Mehr und mehr Leute abonnierten unsere Zeitung. Wir hatten die Idee für unsere digitale Zeitung. Es lief langsam.
 
Ich will Sie nicht langweilen mit einem kleinteiligen Bericht der letzten Jahre. Fakt ist, dass wir unseren Weg nach oben gefunden haben. Haben wir im ersten Jahr nur ein paar hundert Bücher verkauft, so waren es 2018 schon fast 40.000.
 
Wir sind mit vereinfachten Versionen von Bestsellern begonnen. Und heute haben wir auch Bücher in Leichter Sprache und Bücher für Jugendliche. Wir haben eigene Romane, Bücher über Einfache Sprache, Bücher für Flüchtlinge, und bald auch Bücher über Arbeit. Das klingt schon fast nach einem richtigen Verlag ...
 
Ich pflege ja immer zu sagen: Unser Verlag versucht, Kühlschränke an Eskimos zu verkaufen. Wir versuchen, Menschen, die nicht lesen können oder wollen, dennoch zum Lesen zu bewegen. Keine leichte Aufgabe, kein Markt für Goldgräber, und reich werden wir wohl auch niemals werden. Doch die Anerkennung für das, was wir tun, die gibt es inzwischen. Wir sind ein enger Partner vom Bundesverband. Unsere Agentur erhält Aufträge von Ministerien und der Bundesbank. Wir sind inzwischen weit und breit bekannt und wer sich mit Lesen und einfachen Büchern beschäftigt, wird uns früher oder später finden.

Doch das Wichtigste ist, dass wir inzwischen viele Menschen pro Jahr zum Lesen bewegen. Menschen, die damit sonst große Schwierigkeiten hätten. Menschen, die jetzt auf spielerische Art und Weise das „Hindernis Lesen“ angehen können. Die, ohne dass sie es bemerken, viele Lesekilometer machen, ihren Wortschatz vergrößern und Einblicke in die Welt um sie herum gewinnen.
 
Für diese Menschen machen wir unsere Arbeit! Für diese Menschen machen wir unsere Bücher. Für all die Leser, die jedes Jahr plötzlich merken, dass der lange und oft beschwerliche Weg doch die Mühe wert war.