Kampf oder Flucht

Kampf oder Flucht

“Merkwürdige Zeiten – jetzt mit Corona”, das war ohne Zweifel die häufigste Klage in den letzten Monaten. Die Welt steht Kopf. Doch es ist nicht nur eine merkwürdige, sondern auch eine besondere Zeit. Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatte die ganze Welt mit ein und demselben Problem und den Folgen zu kämpfen. Ein gefährliches Virus, Lockdowns, ausgebremste Wirtschaft, Tausende Sterbefälle. Kein Land der Welt konnte entkommen. Zum ersten mal sitzt die ganze Welt im selben Boot. Zynisch: Nicht einmal die Weltkriege haben das geschafft.

Da die erste Welle vorbei zu sein scheint, können wir uns vorsichtig an einem Neustart, an eine Wiederaufnahme unserer normalen Leben wagen. Selbstverständlich mit Maß und weiterhin mit den notwendigen Beschränkungen, aber immerhin. Vorsichtig können wir auch anfangen zurück zu schauen. Wie haben wir das alles hinbekommen?

Das deutsche Gesundheitswesen hat eine großartige Leistung vollbracht: Relativ wenige Sterbefälle, keine Panik im Gesundheitssystem, alles unter Kontrolle. Ähnlich das Schicksal des anderen Intensivpatienten: unsere Wirtschaft. Auch da kommen wir zum Schluss: Der Patient ist gerettet. Ja, er hat hat gelitten; ja, eine langwierige Genesung ist notwendig und ja, die Erholung wird auch Kosten haben. Aber der Patient ist nicht gestorben, und er hat sogar sehr gute Lebenschancen. 

Das heißt nicht, dass die Corona-Zeit Unternehmen nicht vor viele Herausforderungen gestellt hat. Bei Gefahr haben die Menschen die Wahl zwischen Erstarren, Flucht oder Kampf – bei Unternehmen ist das nicht anders. Auch hier, im Spaß am Lesen Verlag, standen wir vor der Wahl: abwarten oder handeln. Wir haben uns für letzteres entschieden.

Es war klar, in welche Richtung wir gehen müssen: Die Ausbreitung des Angebots von digitalen Medien. Das war bislang nicht groß, eine bewußte Entscheidung übrigens. Wir wissen sowohl aus Untersuchungen als auch aus Erfahrung, dass unsere Leser eher gedruckte Medien lesen sollen. Schwierigkeiten beim Lesen beziehen sich meistens auf gedruckte Bücher. Ein Buch mit Seiten wo es einfach ist zurückzublättern, den Text wieder zu finden (“wo war ich nochmal?”). Ein Buch, das einfach da liegt, das wahrgenommen wird und das anregt, reinzuschauen. Ein Buch mit Seiten aus Papier wo man mit dem Finger dem Satz folgen kann, wenn die Wörter Probleme bereiten.  

Aber Not kennt keine Tugend. Für viele Leser waren gedruckte Bücher eine Zeit lang nicht zugänglich. Die Buchhandlungen waren geschloßen, die Bibliotheken waren geschloßen und die Schulen auch. Also haben wir kurzerhand unser Sortiment an E-Books aufgestockt. Einen Überblick über die erhältlichen Titel finden Sie hier im Newsletter. Die E-Books können Sie ganz normal in den üblichen E-Book Shops erwerben: Tolino, Amazon, Kobo.  

Unsere digitale Wochenzeitung haben wir eine Zeit lang kostenlos zur Verfügung gestellt, und davon haben viele Leser profitiert. Unter dem Titel MitLeseClub haben wir auch begonnen, das Vorlesen von Buchausschnitten und Zeitungsartikeln auf Video aufzuzeichnen. Nach der Anzahl der Besucher zu urteilen, stößt das auf großes Interesse.

Kurz und gut: Allerlei digitale Angebote um unserer Leser auch in diese schwere Zeiten das Lesen zu ermöglichen. Machen wir daraus eine totale Wende zu “nur noch digital”? Nein, Papier bleibt unentbehrlich im Bemühen, schwachere Leser zu erreichen. Wir weichen nicht vom Kurs ab, so verführerisch das auch manchmal sein mag. Aber gleichzeitig ist der nächste Schritt hin zur Digitalisierung jetzt eindeutig vollzogen.