Lehrermangel

Beim Durchblättern der Zeitung stoße ich oft auch auf Artikel über das Bildungswesen. Es ist vielleicht meine Berufskrankheit, aber das Bildungswesen ist meiner Meinung nach die Grundlage für alles. Bei manchen Zeitungsartikeln denke ich: Wie ist es möglich, dass es immer noch so viele Probleme gibt?

Bei einem Artikel ging es um „Seiteneinsteiger“, Menschen die einen Beruf ausgeübt und sich dann entschlossen haben, als Lehrer in der Schule zu arbeiten. Sehr gut: Menschen mit praktischer Erfahrung können oft viel zur Theorie beisteuern, vor allem nach einer abgeschlossenen Ausbildung. Das ist eine schöne Entspannung beim hartnäckigen Lehrermangel.

Trotzdem bleiben Lehrermangel und Unterrichtsausfälle weiterhin ein Problem mit höchster Priorität, auch wenn es gerade unter Schnee und Corona-News begraben ist. Kurz gesagt: die ältere Lehrergeneration geht auf die Rente zu und die neue Generation fühlt sich vom Lehrerberuf wenig angezogen. Dabei brauchen wir Lehrer mehr als je zuvor. Durch veränderte Rahmenbedingungen zum Beispiel als Folge von Zuwanderung und Inklusion sind die Schulen konstant unter Druck. Wenn die Probleme nicht schnell gelöst werden, dann wird eine ganze Generation dafür bezahlen müssen. 

Vor allem die sozialen Brennpunkte liefern erschreckende Ergebnisse. Genau da, wo eine gute Bildung entscheidend wäre, kann es passieren, dass ein Sportlehrer Kindern mit Rückstand in Deutsch Sprachunterricht geben muss. Solche Kinder werden oft nach Hause geschickt oder vor dem Computer gesetzt, damit sie sich Filme anschauen.

Vielleicht kann man bis jetzt keine sichtbare Folgen erkennen. Aber schmerzhaft ist, dass diese Kinder, wenn wir nicht aufpassen, einen lebenslangen Rückstand haben werden, und das nicht nur im Sprachbereich. Und dann muss man Stiftungen gründen und Maßnahmen ergreifen, um das alles wieder in Ordnung zu bringen. Das wird leider nicht immer klappen, wie uns die Praxis schon oft genug gezeigt hat. 

Das Verlagsprogramm des Spaß am Lesen Verlages ist für einen Großteil dieser Gruppe konzipiert, und wir haben Erfolg dabei. Unsere Bücher bekommen eine gute Resonanz und tragen oft dazu bei, den Sprachrückstand nachzuholen. Aber das sind nur Tropfen auf den heißen Stein, wenn der funktionale Analphabetismus (der oft schon in Kindesalter beginnt) nicht gut und konsequent bekämpft wird. Unser Ziel bleibt unverändert: Jeder in Deutschland soll auf einem hohen Niveau lesen und schreiben – und somit an allen Lebensbereichen teilnehmen können.