Lockdown und Lesen

Auch wenn die ersten inzwischen geimpft wurden, klar ist doch: Das Kapitel „Corona“ ist noch lange nicht vorbei. Der harte Lockdown wurde bis Ende Januar verlängert, und das ist angesichts der neuen, noch ansteckenderen Varianten des Virus nur vernünftig. Eine britische Variante, eine südamerikanische Variante … wie viele kommen wohl noch?

Der Lockdown fordert natürlich auch seinen Tribut. Große Sorgen bereitet die Frage nach den langfristigen Folgen und dem Home Schooling. Das mag zwar praktisch sein, aber es ist auch klar, dass Unterricht übers Internet oder durch dazu nicht qualifizierte Eltern niemals das Niveau erreichen kann, was Schulen unter normalen Umständen bieten. Und das kann man den Eltern auch nicht zu Lasten legen, denn ihnen wurde diese Aufgabe ja einfach so vorgesetzt.

Kinder, denen die Schule leichtfällt und die ein ruhiges Zuhause mit ausreichend Raum zum Lernen und für Hausaufgaben haben, werden kaum einen Rückstand entwickeln. Es wird sie ein wenig Mühe kosten, doch sie werden relativ problemlos den Anschluss schaffen.

Ganz anders sieht die Lage bei Kindern aus, die zuhause keinen Raum haben und die nun ohne verständnisvolles Lehrpersonal zurechtkommen müssen, die sie an die Hand nimmt und ihnen den Weg zeigt.

Infolgedessen werden die Unterschiede noch größer werden. Wissenschaftler weisen jetzt schon darauf hin, dass dieser Lockdown eine ganze Generation von Schülern treffen wird. Das sind schlechte Neuigkeiten, vor allem, wenn man bedenkt, dass eine Gruppe betroffen ist, die sowieso schon mit einem Rückstand startet. Es steht zu befürchten, dass allen Anstrengungen, die vom Staat bisher unternommen wurden, um sie bei der Stange zu halten, jetzt weniger Aufmerksamkeit zuteil wird. So wie dem Lesen.

Und das sehen wir bereits in der Buchbranche. Noch vor Kurzem ging es hier vor allem um Leseförderung. Heute scheint das Überleben des lokalen Buchhändler das Ziel zu sein: Kaufen Sie lokal, auch digital. Das ist wichtig, durchaus, doch lassen wir den Lese-Anfängern, vor allem mit Leseschwierigkeiten, all unsere Unterstützung zuteil werden, um sie zu einem geschätzten Kunden eben jenes Buchhandels werden zu lassen. Sonst kann bald keine Leseförderung 
diese Kluft noch schließen, so gut sie auch sein mag.