Mehr als nur Corona

Mehr als nur Corona

Schaltet man den Fernseher an oder schlägt die Zeitung auf, kommt man nicht umhin: Corona-News. Die Allgegenwärtigkeit von Covid-19 ist so groß, dass wir alles Andere übersehen, auch die Themen, die vor der Pandemie so wichtig waren.

Die Ergebnisse der letzten PISA-Studie zum Beispiel. Aus dieser Studie ging hervor, dass Schüler immer schlechter lesen. Das ist ein ernstes Problem, zumal sich die Lage gegenüber der vorherigen Studie 2015 noch zuspitzt. Eigentlich ist das Leseniveau unserer Jugendlichen wieder auf dem Stand von 2003 angekommen. Der ganze Fortschritt der dazwischen liegenden Jahre scheint verpufft zu sein.

Ich will Sie nicht mit Zahlen langweilen, was aber auffällt: Ein Viertel der 15-Jährigen liest auf einem nicht ausreichenden Niveau. Diese Kinder drohen von der Gesellschaft abgehängt zu werden. Sie hinkten schon jetzt hinterher und das wird sich noch verstärken. Ihre Chancen auf eine Karriere sind minimal, denn sie sind kaum in der Lage, einen Text zu verstehen: Einen Brief vom Arbeitgeber, von der Stadt, einen Beipackzettel oder eine Gebrauchsanleitung.
Heute braucht man mindestens Leseniveau B1, um mitzuhalten. Die Wirtschaft und die Gesellschaft entwickeln sich jedoch weiter, alles wird digital, und es ist davon auszugehen, dass dieses Mindestniveau in ein paar Jahren in Europa – also auch in Deutschland – bei B2 liegen wird. Das bedeutet, dass noch viel mehr Kinder unter den Minimalanforderungen für eine Teilabe liegen.
Lesen, lesen, lesen – so lautet also die Devise für Kinder und Bildung. Übung macht den Meister, heißt es, und so einfach ist es auch beim Lesen. Ein wichtiger Faktor ist Spaß beim Lesen. Denn niemand tut etwas freiwillig, was er nicht gerne tut. Zurzeit liest gut 50% unserer Schüler nur, wenn es sein muss; ungefähr ein Drittel hält es für nutzlose Zeitverschwendung. Auf die Gefahr hin, dass ich diese Kolumne zu einer Art Werbeschild mache: Genau daran arbeiten wir in unserem Verlag. Indem wir dafür sorgen, dass es Bücher gibt, die Jugendliche gerne lesen, und die sowohl vom Niveau her als auch von der Thematik Jugendliche ansprechen. Gerade das ist enorm wichtig. So nämlich nimmt man die Hürde, die Jugendliche am Lesen hindert: Mit guten und spannenden Geschichten über Themen, die sie interessieren.

Solche Bücher haben wir viele, vor allem für die unteren Niveaus. Leider orientieren sich Programme zur Leseförderung oft an höheren Leseniveaus. Es ist natürlich auch wichtig, diese Jugendlichen zu fördern, aber wir wollen nicht vergessen, dass gerade die schwachen Leser in einem gefährlichen Bereich landet, wenn nichts getan wird. Um das zu vermeiden, muss man nicht nur Bücher anbieten, sondern auch dafür sorgen, dass diese in der Klasse verwendet werden können. Dass Kinder, die angefangen haben, auch weitermachen wollen. Und das tun wir beim Spaß am Lesen Verlag mit Programmen und Workshops für Lehrkräfte. Und mit einem neuen digitalen Angebot, das wir in naher Zukunft stark erweitern wollen.

So sorgen wir dafür, dass Lesen keine Eintagsfliege wird und die Erkenntnis auch bei diesen Schülern durchdringt, dass Lesen Spaß macht. An verantwortliche Politiker möchte ich noch die Botschaft senden: Bezieht die  Eltern mit ein, damit wir mit vereinten Kräften den Rückschritt aufhalten und in die richtige Richtung umlenken können.