Papierkind

Artikel-Nr.: 978-3-944668-42-0

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Kundenbewertungen zu Papierkind

Anzahl der Bewertungen: 2
Durchschnittliche Bewertung: 5
Irgendwann habe ich vergessen, dass ich ein Buch in einfacher Sprache lese
von am 12.07.2019
Mein erstes Buch in einfacher Sprache

Ja, ich wollte ganz bewusst diese Blogreihe "Leichter lesen" auf https://www.kleiner-komet.de und habe mich auch bereits mit der Thematik “einfache und leichte Sprache” befasst.

Dennoch war ich noch immer skeptisch. Gewisse Ansprüche an den Schreibstil habe ich einfach. Eine Geschichte soll für mich einerseits leicht (=flüssig) lesbar sein, andererseits liebe ich die “Magie der Worte”. Was genau diese Magie der Worte ist, kann ganz vielfältig sein, entscheidend ist, dass die Worte eine Geschichte für mich lebendig machen.

Ja, ganz ehrlich, da hatte ich bei einfacher Sprache meine Zweifel.

Marion Döberts Sprache in “Papierkind” ist einfach. Die Sätze sind kurz, das Schriftbild groß und klar. Und doch ist die Geschichte nicht leicht zu lesen, der Inhalt geht mir nahe. Ich bin überrascht, wie gefühlvoll die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird.

Für mich, die ja meist Bücher der Phantastik liest, war es eine doppelte Leseerfahrung – ein Roman und ein Roman in einfacher Sprache.
Traurige Kindheit

Beginnt alles mit einer Ankunft in Paris, geht es um einen Rückblick auf die Kindheit und Jugend der Protagonistin, das Papierkind. Sie und ihre Schwester haben es nicht leicht gehabt. Es ist mir tatsächlich schwer gefallen, zu lesen, wie es den Mädchen ergangen ist und wie sie mit allem umgegangen sind. Es hat mich getröstet, dass es eine relativ kurze Geschichte ist, die dabei auch noch sehr spannend ist. Als dicken Roman hätte ich diese Geschichte wahrscheinlich nicht so gerne ertragen mögen, da diese wahrscheinlich noch weitere Ausschmückungen des Leids enthalten würde. Es war so real. Szenen aus der Kindheit und Jugend folgen fließend aufeinander. Angst, Wut, Enttäuschung und das soziale Umfeld spielen eine Rolle. Doch nicht alles ist schlecht und genau darin liegt die Magie in diesem Buch. Hoffnung, Unterstützung und einen Ausweg aus einer wirklich beschissenen Situation.

Es ist aber auch ein Roman über die eigene Kraft.
Die Kraft sein Leben selber in die Hand zu nehmen.
Und seine eigenen Träume zu erfüllen. (Auszug aus dem Klappentext)

Und genau das ist es, noch mehr, es ist ein Buch, das selbst Kraft spendet und Mut macht. Das Papierkind hat all das überstanden, du schaffst deine Krise auch!
Die Bedeutung der Bücher

Es ist so wunderbar passend, dass in meinem ersten Roman dieser Blogreihe, die Liebe zu Büchern thematisiert wird. Die Ich-Erzählerin ist das Papierkind. Als kleines Mädchen hat sie auf Papier gemalt und später die Welt der Bücher entdeckt. Zunächst waren Bücher etwas negatives. Ihre zwei Jahre ältere Schwester konnte bereits lesen, schenkte ihr weniger Beachtung.

Hätte meine Schwester doch nie lesen gelernt!
Dann würde sie jetzt mir mir zusammen malen.
Aber sie liegt nur auf dem Bett und liest.

Doch dann wird das Lesen zu etwas gemeinsamen und später werden die Bücher zu einem wichtigen Teil ihres Lebens. Sie ist das Papierkind, deren Leben ohne festen Halt war und nur aus negativen Gefühlen bestand, vor allem war da die Angst.

Bis mir eines Tages ein Mensch begegnet ist.
Ein ganz besonderer Mensch.
Ein Mensch, der mich versorgt hat:
mit Büchern,
mit Seiten aus Papier;
mit Papier voller Geschichten.
Ab da wurde alles anders.

Erwähnt werden zum Beispiel “Heidi” oder die “Deutschstunde” von Siegfried Lenz. Der Besuch des Theaterstückes “Warten auf Godot” wird überzeugend geschildert, als unsinnige Warterei. Die gelesenen Bücher werden innerhalb des Romans kurz geschildert, laden vielleicht ein, mehr über diese Geschichten zu erfahren, die ebenfalls Kraft spenden.
Sprache

Der Satzbau ist einfach. Relativ kurze Sätze, keine Fremdwörter. Namen und Begriffe, die “schwieriger” sind, sind unterstrichen und werden in der angehängten Wörter-Liste knapp erklärt. Die Liste umfasst 44 Einträge, die tatsächlich zum großen Teil Namen und Titel der Bücher sind, die das Papierkind im Laufe der Geschichte erwähnt.

Sehr schön werden auch sprachliche Schwierigkeit thematisiert. Das Papierkind wird als “begriffsstutzig” bezeichnet, ein Wort, das sich ebenfalls in der angehängten Liste findet. Sie versteht das Wort nicht, aber sie fühlt die negative Bedeutung des Wortes. Sie fühlt, dass sie schlecht sei.

In all der Einfachheit hat der Schreibstil von Marion Döbert einen poetischen Zauber. Die oben zitierte Stelle ist mit eben diesen Umbrüchen abgedruckt, mutet beinahe lyrisch an, wobei ich wirklich kein Lyrik-Fan bin. Balladen dagegen mag ich lieber, da sie ganze Geschichten erzählen, wie auch dieser Roman in einfacher Sprache.

Irgendwann habe ich vergessen, dass ich ein Buch in einfacher Sprache lese, ich erlebte eine Geschichte und am Ende hatte ich Tränen in den Augen. Es war ein wirklich schönes Ende.
Autorin Marion Döbert

Die Autorin ist diplomierte Erziehungswissenschaftlerin, Geburtsjahrgang 1956, deren Lebenslauf sich wie eine Widmung an die Alphabetisierung liest. Hintern im Buch stehen einige Informationen über die Autorin, ebenfalls in einfacher Sprache, geschrieben.

Eine Laudatio auf Marion Döbert als Botschafterin für Alphabetisierung hielt 2011 Gerald Schöber, Vorstandsmitglied des “Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V,”, den Marion Döbert mitbegründet hat:

Du warst und bist die Grande Dame der Alphabetisierung.

Bereits 2003 erhielt sie das Bundes-Verdienst-Kreuz.
Für wen könnte die Geschichte etwas sein?

Diese Frage finde ich noch schwierig zu beantworten und ich hoffe, dass es mir zunehmend leichter fallen wird im Zuge dieser Blogreihe. “Papierkind” ist auf jeden Fall ein lesenswerter Roman!

Ein Gedanke kam mir auf jeden Fall beim Lesen: Es könnte eine Geschichte für ältere Menschen sein. Das angenehme Schriftbild, die kurzen Kapitel erscheinen mir grundsätzlich gut geeignet für jemanden, der zwar mal gut lesen konnte, aber dessen Sehkraft und Konzentration nachgelassen haben. Die Geschichte selbst kommt ohne neumodischen Schnick-Schnack aus, wie viele ältere Personen unsere digitalen Alltagsbegleiter gerne bezeichnen.

Nachdem ich vergessen hatte, dass ich ein Buch in einfacher Sprache las, kam mir im Anschluss an die Lektüre noch eine Idee: Vielleicht wären diese kleinen Romane auch etwas für Wiedereinsteiger. Diese digitalen Menschen, die kurze Nachrichten konsumieren, höchstens mal einen Artikel lesen, der oft nur überflogen und nicht komplett gelesen wird. Auf dem Literaturcamp Bonn 2018 hatten wir genau zu diesem Problem eine Diskussionsrunde.
Dieses Buch lädt dazu ein, sich auf die Erfahrungen des jungen Mädchens einzulassen, frei von digitalen Spielzeugen.
poetisch
von am 12.07.2019
„Vergiss nicht, was du alles kannst!“
Es ist ein langer Weg für die Protagonistin in Papierkind, bis sie diesen Rat annehmen kann. Denn wer ist sie schon? Eine Sitzenbleiberin, eine Kartoffelreiberin, eine, aus der nichts mehr werden kann. Eine, die dumm ist!
Aus der Ich-Perspektive erzählt eine junge Frau, deren Namen dem Leser nicht genannt wird, ihre Geschichte. Die spielt irgendwann in den 60ger Jahren. Das wird zwar nicht so genau gesagt, aber es gibt Hinweise im Text wie Lieder und TV-Serien.
Nach dem Prolog, in dem die junge Frau am Bahnhof Gare du Nord in Paris steht, wechselt die Geschichte in ihre Kindheit. Der Leser erfährt, wie es ihr ergangen ist, in einer Familie, die nach und nach auseinanderbrach, in der der Vater zur Gewalttätigkeit neigte, fremd ging und die Familie schließlich verließ. Was muss es für eine Kraft gekostet haben, in solch einer Familie zu überleben. Für das Lernen blieb da nichts mehr übrig.
Wer weiß, was aus ihr geworden wäre, wenn es da nicht jemanden gegeben hätte, der ganz fest an sie geglaubt hat. Schwester Anna. Die Nonne erkennt, was in dem Mädchen steckt und weckt ihre Lust am Lernen und ihre Liebe zu Büchern. Und so erlebt der Leser mit, wie das junge Mädchen langsam wieder Zuversicht fast und beginnt, an sich selbst zu glauben. Und schließlich macht sie sogar das Abitur und studiert – Malerei – in Paris.
Jetzt weiß sie, das Leben muss man in die eigene Hand nehmen. Seine Träume muss man selbst verwirklichen, auch wenn die Widrigkeiten des Lebens dagegenzusprechen scheinen.
Und Schwester Anna, die gibt ihr noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Wenn du einmal nicht weiter weißt, dann lies Bücher.“

Einen Rat, dem ich nur zustimmen kann.

Der Roman hat eine einfache Lesbarkeit. Er ist in viele Kapitel unterteilt, die meist nicht mehr als maximal fünf Seiten umfassen. So lässt sich zwischendurch beim Lesen sehr gut pausieren.
Der Text ist im Flattersatz gesetzt, die serifenlose Schrift ist etwas größer und die Zeilenabstände sind etwas weiter. Die Absätze sind gut voneinander abgegrenzt, sodass die Textmenge pro Seite sehr übersichtlich ist. Schwere Wörter im Text wurden unterstrichen und am Ende des Buches lassen sie sich in einer Wörterliste nachschlagen, in der sie näher erklärt werden.

Papierkind ist ein wunderschöner, in einfacher Sprache erzählter Roman. Marion Döbert ist es wirklich gelungen, die Geschichte poetisch klingen zu lassen. Dieses Buch ist ein Beispiel dafür, dass einfache Sprache alles andere als schlicht klingen muss.

Zubehör

Produkt Hinweis Status Preis
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