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03.11.26

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Eine facettenreiche Geschichte darf auch leicht verständlich sein

Die Lesefähigkeit junger Menschen nimmt ab. Auch in Deutschland zeigen die PISA-Ergebnisse, dass immer mehr Schüler:innen Schwierigkeiten beim Lesen haben. Die Frage ist, wie wir diese jungen Menschen wieder zum Lesen bringen können.

Bei meinem kürzlichen Besuch auf der Buchmesse in Göteborg sprach ich mit der schwedischen Verlegerin Lena Maria Nordstrand. Seit zwanzig Jahren setzt sie sich für leicht lesbare Bücher ein. Sie ist Mitgründerin der Easy-to-Read-Verlage Nypon und Vilja und gründete kürzlich gemeinsam mit ihrer Tochter Easy Peasy Publishing.

In Schweden haben leicht lesbare Bücher mittlerweile einen festen Platz an vielen Schulen und in Bibliotheken erobert. Das ging nicht von selbst. Lange Zeit galten sie als Literatur zweiter Klasse. Und noch immer gibt es Lehrer:innen und Bibliothekar:innen, die der Meinung sind, dass Jugendliche vor allem schwierige, literarische Texte lesen sollten.

Lächerlich, findet Nordstrand. Was nützt Jugendlichen ein wunderschönes Buch, wenn sie es nicht lesen können? Und wie sollen sie Freude am Lesen finden, wenn jede Seite eine Qual ist?

Auch in Deutschland wird diese Diskussion geführt. Natürlich müssen wir Jugendliche herausfordern und ihre Sprachkompetenz fördern. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Buch schwierig sein muss. Gerade für schwache oder wenig motivierte Leser:innen kann ein leicht zugängliches Buch den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Nordstrand betonte während unseres Gesprächs, dass einfaches Schreiben eine Kunst ist. Und wer diese Kunst gut beherrscht, kann dafür sorgen, dass ein leicht lesbares Buch genauso spannend, bewegend und inhaltlich reichhaltig ist wie ein schwieriges Buch.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger über das Niveau von Büchern sprechen und mehr darüber, was sie bei den Leser:innen bewirken. Denn letztendlich geht es nicht um die Frage, wie schwierig ein Buch ist, sondern darum, ob jemand es liest. Und danach weiterliest. Denn wer viele Lesekilometer zurücklegt, hat gewonnen. Übung macht schließlich den Meister.

Das gesamte Interview mit Lena Maria Nordstrand finden sie hier.


Bild: © Canva